Heft#2 : Der Fisch fängt vom Kopf zu stinken an

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Manifestation 02

Ein Gestank geht um. Smells to heaven. Finanzdebakel, Korruptionsskandale, Rettungsschirme, CO2-Bilanzen, Schuldenkrise, globalisiertes Kapital, die Ausbeutung des Südens durch den Norden und des Ostens durch den Westen. Es gilt keine Unschuldsvermutung. Für nichts und niemanden.

Gewöhnlich denken wir die Dinge mit Anfang und Ende, Oben und Unten, Vorne und Hinten. Aber nicht alle diese Koordinaten haben den gleichen Wert. Warum? Oben ist transzendenter als Unten; Unten ist dunkler als Oben. Anfang ist frischer als Ende, Ende ist grausamer als Anfang. Vorne ist zugänglicher als hinten, von hinten ist es verruchter als von vorn. Das Über-Ich liegt über dem Ich, das Ich über dem Es. Das vorbildliche Skandinavien ist oben, das verluderte Griechenland unten. Während wir im Norden hart arbeiten, wird im Süden gefaulenzt … Woher kommen diese Vektoren und Vertikalen der Macht? Woher dieser Drang nach Ordnung und Hierarchie? Woher diese Präferenz für den Anfang, für das Oben, für die Front?

„Der Fisch fängt vom Kopf zu stinken an.“ Ein Wort, das schon auf der attischen Agora gewechselt wurde. Es hat Jahrtausende auf dem Buckel. Hat Jahrtausende wahr gesprochen. Wahr? Ein Sprichwort spricht wahr, weil es sich mit der Mehrheit verträgt, weil es den majoritären Sinn zementiert, weil es in der Mitte des Volkes wohnt, kurzum, weil es den Gemein- und Gemeinschaftssinn vertritt. Verstehen wir die Philosophie als die Anwältin des Minoritären, scheint es also unmöglich, kraft eines Sprichworts zu philosophieren. Doch eben das wollen wir hier versuchen: Gerade weil Sprichworte scheinbar uneinnehmbare Bastionen der Sprache und des Sprechens darstellen, weil sie dem Hausverstand ein Obdach sind, weil sie sich nicht selbst dekonstruieren, müssen wir uns ihnen ausliefern, müssen wir uns an sie wagen, ihre Ideologie entlarven. Müssen wir den Fisch auf den Rücken legen – oder auf die Flossen stellen.

Und uns der widerlichsten Frage aussetzen: Ist der Geist (griech. pneuma) nur das Medium des Gestanks – oder kann er selber zu stinken anfangen?

Inhalt der zweiten Ausgabe:

Manifestation 02
Der Fisch fängt vom Kopf zu stinken an

„Auswurf, Abfall, Abhub“: Prolos
Peter Kaiser

Dont put up a brave front!
Fragmente queerer Anarchien am Rand, an der Grenze, im Zwischen
Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer

when we didn’t meet – LONDON scripts I, #4a
Bernadette Anzengruber

… the fish truck that loads …
Markus Mittmansgruber

Gleichfreiheit: Reality Check zum Stand der Demokratie
Jan Bruckschwaiger und Alexandra König

when we didn’t meet – LONDON scripts I, #6

Philosophisches Wörterbuchwerkzeugkastenlexikon

ZEICHEN DEUTEN. Truth transcendences the Story
Mikki Muhr

Realtime Gendering und queeres Physizieren
Tanja Traxler

„Allerwelts-Bücher sind immer übelriechend“
oder Wie man von unten philosophiert
Dominik Zechner

when we didn’t meet – LONDON scripts I, #8

Rats desert a sinking ship
Simone Borghi

Riechen, Wittern, Spüren. Anmutungen, Vermutungen
Bernd Bösel

Unser Refrain, Prolog (Komposition aus: Zona)
Michael Poetschko

Punk’s not dead! – Über Philosophie
Hans Stauffacher

Monstrosität, Zusammenbruch
Apropos „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz
Sandra Lehmann

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